Eugen Roth: Versicherung
Unsicher ist´s auf dieser Erden,
drum will der Mensch versichert werden.
Hat er die Zukunft nicht vertraglich,
so wird´s ihm vor ihr unbehaglich.
Das Leben, ständig in Gefahr,
zahlt er voraus von Jahr zu Jahr,
dass auch an unverdienter Not
er was verdient, selbst durch den Tod.
Die Krankheit wird schon halb zum Spasse,
weiss man: das zahlt ja doch die Kasse!
Und wär das Leben jäh erloschen,
gäb ’s hundert Mark für einen Groschen.
Ja, so ein Bursche spekuliert,
dass durch Gesundheit er verliert!
Der Teufel aber höhnisch kichert:
„Wie seid ihr gegen mich versichert?“
Ja, stellt der Teufel uns ein Bein,
springt die Versicherung meist nicht ein.
Der allzu Schlaue wird der Dumme:
Zum Teufel geht die ganze Summe,
und wirklich wertbeständig bliebe
auch hier nur: Glaube, Hoffnung, Liebe!
aus: Wilhelm Schlösser (Hrsg.): Vorwiegend heiter;
Europ. Buchclub, Stuttgart/Zürich/Salzburg
|